Warum wir aufhören sollten zu bereuen

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Am Tag treffen wir ungefähr 20.000 Entscheidungen.

Jeden Tag. 365 Tage im Jahr. Ohne Ausnahme.

Wie hoch ist da die Wahrscheinlichkeit, dass darunter mal mindestens eine ist, die uns im Nachhinein als falsch erscheint und die wir dann bereuen? Die uns vielleicht gerade an einen Punkt gebracht haben, an dem wir eigentlich gar nicht stehen wollen.

Dann geht das Gedankenkarussel los. Wir ärgern uns über uns selbst. Sind traurig oder wütend. Fragen uns, wie wir bloß so doof sein konnten. Hätten wir doch bloß mehr auf das gehört, was unser Bauchgefühl uns gesagt hat. Und so weiter und so fort. Dabei kommt es nicht selten vor, dass wir ziemlich streng, oder gar gemein, zu uns sind.  Wir bestrafen uns emotional für etwas, das wir in dem Moment gar nicht besser wissen konnten.

Wir tun, was wir können

Denn wenn wir Entscheidungen treffen, dann agieren wir nach unserem besten Wissen und Gewissen. Wir beziehen all das ein, was wir bis zu dem Zeitpunkt der Entscheidung schon an Erfahrungen gesammelt haben und lernen dann mit einer Fehlentscheidung, dass wir da offensichtlich mal ganz doll daneben gelegen haben. Aber eben diesen Erfahrung hilft uns dabei, das wir das nächste Mal eine bessere und weisere Entscheidung treffen, die wir rückblickend schon das erste Mal hätten treffen sollen. Sicher entstehen dabei manchmal Situationen die uns ziemlich beklemmend und unangenehm vorkommen, aber ohne diese würden wir nicht dazu lernen. Wir wüssten nicht, was uns emotionalen Schaden anrichtet und könnten bei guten Entscheidungen schwer Vergleiche ziehen.

Was ändert es, zu bereuen?

Meist lohnen sich unsere Tränen nicht. Viel eher macht es Sinn, schlechte Entscheidungen genau zu betrachten und zu hinterfragen.
Meist lohnen sich unsere Tränen nicht. Viel eher macht es Sinn, schlechte Entscheidungen genau zu betrachten und zu hinterfragen.

Im Grunde genommen ist ohnehin alles, was nach dem berüchtigten, ‚dann wäre / hätte / könnte…‘ kommt reine Fiktion. Wir malen uns aus, das die Welt für uns eine bessere wäre, wenn wir doch bloß eine andere Entscheidung getroffen hätten. Wenn wir es doch einfach gleich richtig gemacht hätten. Es sind lediglich unsere Berechnungen dessen, was wir bislang schon für Erfahrungen gemacht haben, die wir dann mit unseren Gedanken spielen lassen. Niemand weiß, ob das, was wir uns im Nachgang denken, wirklich Realität geworden wäre, wenn wir es auch so durchgeführt hätten.
Wie oft ist es schon vorgekommen, dass wir etwas exakt und bis ins kleinste Detaila planen und genau zu wissen glauben, was dann passiereren wird und wie alles ausgeht. Und wie oft ist es dann doch alles ganz anders gelaufen?

Im Grunde genommen ändert es rein gar nichts, wenn wir uns die ganze Zeit damit beschäftigen, was gewesen wäre wenn,… . Die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern. Das Einzige worauf wir jetzt noch Einfluss haben ist das Jetzt. Das was wir tun, nachdem wir eine Fehlentscheidung getroffen haben. Wir können aus unseren Fehlern lernen und sie in Zukunft nicht erneut machen. Wenn wir zum Beispiel fälschlicherweise jemanden verletzt haben, dann können wir uns ganz ehrlich und aufrichtig dafür entschuldigen. Wir haben immer wieder die Möglichkeit Fehler einzugestehen und um Verzeihung zu zu bitten.

Warst du in dem Moment glücklich?

Für mich ist einer der wichtigsten Indikatoren, ob eine Entscheidung nun richtig oder falsch war ganz besonders die Frage, ob ich in dem Moment der Handlung glücklich war. War es für mich in genau dem Moment das Richtige? Fühlte es sich gut an? Wenn diese Fragen mit ‚ja‘ beantwortet werden können, dann kann die Entscheidung auch nicht grundsätzlich falsch gewesen sein. Dann scheint ein Teil von uns gerade genau das zu brauchen, was wir in diesem Moment getan haben. Vielleicht nicht in dem Ausmaß, in dem es dann geendet ist, aber zumindest teilweise.

Eventuell kam die Handlung aus dem Bauch heraus und wurde mehr oder minder von unserem Unterbewusstsein gesteuert. Und das weiß ziemlich genau, wo es hin möchte. Und wie oft denken wir uns im Nachhinein, dass wir vielleicht doch mal besser auf unser Bauchgefühl hätten hören sollen? Da war es gewesen. Und es wollte dir etwas sagen. Hör mal genau hin. Vielleicht lohnt es sich ja?!

Du wusstest es eigentlich besser

Manchmal wollen wir uns einfach nur verstecken und uns selbst bemitleiden. Das macht es meist aber nur noch schlimmer.
Manchmal wollen wir uns einfach nur verstecken und uns selbst bemitleiden. Das macht es meist aber nur noch schlimmer.

Spannend wird es, wenn wir entgegen unseres Wissens handeln. Wenn wir eigentlich genau wissen, dass wir gerade einen Fehler begehen und uns aber trotzdem Hals über Kopf ins Verderben stürzen. Gerade dann sollten wir genauer hinschauen und uns fragen, warum wir trotzdem auf diese bestimmte Art und Weise gehandelt haben. Man hört immer wieder von Menschen, die ein und denselben Fehler immer und immer wieder begehen. Wenn das bei uns der Fall ist, dann sollten wir schauen, was es ist, das wir versuchen zu erreichen und uns fragen, ob wir es nicht in irgendeiner Form auf anderem Wege erreichen können.

Wir wachsen mit unseren Fehlern

Im Grunde genommen macht das harte Wort ‚bereuen‘ also gar keinen Sinn. Wenn wir hinterfragen, warum wir auf diese oder jene Art gehandelt haben, dann haben wir eigentlich alle Möglichkeiten der Welt unser Verhalten in Zukunft zu bessern. Mit jeder Fehlentscheidung lernen wir dazu und können daran wachsen. Das ist eine große Chance – und keine Bürde.

 

 

P.S. Vielen liebe Dank für dieses wundervolle und emotionale Shooting, Dirk Ballerstaedt. Ich habe selten so authentische und echte Aufnahmen von mir gesehen. Ich bin immer wieder total verliebt in die Bilder.

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2 Comment

  1. Etwas zu bereuen ist nicht angenehm. Ich (57) bereue sehr wenig und auf keinen Fall mein Scheitern, wenn es denn mal so passiert ist. Ohne zig-maliges Scheitern würden wir nie als Baby aufrecht stehen lernen. Scheitern gehört zum Leben, bringt weiter, zeigt neue Richtungen an. Nicht alles, was die Gesellschaft von einem fordert macht Sinn, dazu gehört es nicht Scheitern zu dürfen. Diese Zwänge abzulegen ist ein erster Schritt in die persönliche Freiheit.
    Ich glaube, was ich im Rückblick meines bisherigen Lebens bereue ist, dass ich zu wenig Selbsstbewusstsen hatte, um mich attraktiv zu finden, dass ich oft Zweifel an mir und einen viel zu starken „will to please“ hatte. So wie viele meiner Freundinnen auch. Das würde ich heute anders machen wollen. Auf meine paar Rückschläge, viele Hochs-Tiefs-Umwege aber möchte ich keinesfalls verzichten.
    Wenn du so gut wie möglich im Jetzt lebst, deine eigene Schönheit, deine guten Seiten erkennst, Zeit und gute Momente mit denen, die du liebst verbringst, wirst du später kaum was zu bereuen haben. In diesem Sinne – nix bereuen – stattdessen Augen auf und durch!

    1. Vanessa says: Antworten

      Vielen Dank für diesen wundervollen Kommentar, Gabi. Er ergänzt den Beitrag nochmal auf deine persönliche Art und Weise. Ich finde es großartig, dass du so im Reinen mit dir bist. Ebenso finde ich es super, dass du deine Selbstzweifel nun abgelegt hast und erfahren konntest, dass man es nicht jedem Recht machen kann – und will. 😉

      Ganz liebe Grüße,
      Vanessa

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